Fluorid - gesund oder nicht?

Immer wieder fragen mich meine Patient*innen und auch Freunde, ob Fluorid in der Zahnpasta wirklich so gefährlich ist, wie es heutzutage viele behaupten. Vielleicht haben auch Sie sich diese Frage schon gestellt. Ich kann Sie beruhigen: Nein, in so kleinen Mengen ist Fluorid keinesfalls gefährlich, sondern trägt vielmehr zum Schutz Ihrer Zähne bei. Aufgrund der Tatsache, dass Fluorid im wahrsten Sinne des Wortes in aller Munde ist und nur zu oft verteufelt wird, setzen wir uns jetzt einmal genauer mit dem Thema auseinander.

media

Fluorid in der Zahnpasta

Wie kam Fluorid eigentlich in die Zahnpasta? Gute Frage! Es war Zufall, dass man herausfand, welchen positiven Einfluss Fluorid auf die Zahngesundheit hat. Aufgrund einer neuen Wasserversorgung in der Stadt Bauxite in Arkansas traten plötzlich weiße Fluoridflecken bei Zähnen von Kindern auf. So konnten die ersten wissenschaftlichen Rückschlüsse auf den Einfluss von Fluoriden auf Zähne gezogen werden. Die ersten Versuche, Zahnpasten gezielt Fluoride zuzusetzen wurden dann ab ca. 1900, in Europa ab ca. 1950, unternommen. Als Washington W. Sheffield 1850 die erste Zahnpasta auf den Markt brachte, enthielt diese zwar auch schon Fluoride, jedoch wurden diese nicht extra zugesetzt. So gesehen war Fluorid schon immer in der Zahnpasta.

Was ist der Unterschied zwischen Fluorid und Fluor?

Vielen ist die Unterscheidung häufig gar nicht bekannt. Doch die beiden Stoffe sind äußerst verschieden, was für unsere Gesundheit auch „nicht ganz unwesentlich“ ist.

1. Fluorid (als Spurenelement)

In der Erdkruste ist Fluorid ein häufig vorkommendes Mineral, das in verschiedenen Formen auftritt: Natriumfluorid und Flussspat sind hier die wichtigsten Beispiele. Aber auch als Spurenelement kommt Fluorid in der Natur in verschiedensten Konzentrationen sehr oft vor, so auch in unserem Trinkwasser. Viele Spurenelemente sind trotz minimaler Konzentration für unseren Körper essentiell, sprich für unseren Organismus unerlässlich. Fluorid zählt zwar nicht zu diesen essentiellen Spurenelementen, hat aber den positiven Effekt, dass es vor Karies schützt.
Wie nehmen wir Fluorid zu uns, wenn nicht gerade über die Zahnpflege? Die Hauptaufnahmequelle von Fluorid ist unser Trink- und Mineralwasser. Die Konzentration im Trinkwasser ist ortsabhängig und variiert folglich je nach Gebiet. Mineralwasser weist oftmals noch bedeutend höhere Werte von Fluorid auf als das Trinkwasser. Zudem sind aber auch Nahrungsmittel wie grüner und schwarzer Tee, Fisch oder viele Getreidesorten fluoridhaltig.

2. Fluor

Das chemische Element Fluor ist ein hochreaktives Gas, das in der freien Natur rein und elementar kaum vorkommt, außer etwa bei Vulkanausbrüchen. So ist das elementare Fluor eine hochgiftige und ätzende Substanz, die wir schon in geringen Dosen durch den intensiven Geruch erkennen.

Welche Wirkung hat Fluorid auf die Zähne?

Die Oberfläche unserer Zähne ist nicht glatt, auch wenn sie sich manchmal so anfühlt. Die äußersten Schichten des Zahnschmelzes sind dauernden Angriffen von säurebildenden Laktobakterien, auch Milchsäurebakterien genannt, und Säuren aus Nahrungsmitteln ausgesetzt. Besonders in der Nacht können sich die Bakterien ungehemmt vermehren und ihre schädigende Wirkung auf den Zahnschmelz ungehindert ausüben. Die Säure greift die Schmelzoberfläche stark an und die Schmelzkristalle werden herausgelöst. Wenn wir unsere Zähne mit fluoridhaltigen Zahnpasten putzen oder fluoridhaltige Zahnpflegemittel verwenden (Gele, Mundspülungen, etc.), wirken wir diesem Prozess entgegen. Mit der Verwendung von Fluorid bauen wir praktisch ein Schutzschild um unseren Zahn herum auf und erhöhen so die Widerstandskraft des Zahnschmelzes und damit die Zahngesundheit.

Wie sorgen Sie für ausreichend Fluorid im Körper?

Der Weg über die Blutbahn ermöglicht, dass Fluorid schon im Kindesalter in die Zahnsubstanz eingebaut werden kann. Zusätzlich sorgt die Aufnahme durch Speisen und Getränke dafür, dass unsere Zähne im Wachstum mit Fluorid versorgt werden und es in die Zahnsubstanz aufgenommen wird. Das Ergebnis: Ein widerstandsfähiger Zahnschmelz, der zahnschädigende Einflüsse in Form von Säuren und Bakterien stark vermindert. Lassen Sie uns jetzt noch etwas weiter ins Detail gehen:

Die drei Stadien der Zahnentwicklung, die für die Fluoridanreicherung ausschlaggebend sind

  1. Die Schmelzbildung
    In der Schmelzbildungsphase kann das Fluorid direkt in die Zahnsubstanz eingebaut werden. Die Schmelzbildungsphase setzt nach der Geburt ein.
  2. Die Schmelzreifung vor dem Zahndurchtritt
    Nach der Schmelzbildung folgt vor dem Zahndurchbruch die sogenannte Schmelzreifung. Sie dauert ganze drei bis vier Jahre. In dieser Zeit wird weiterhin Schmelzsubstanz gebildet und verdichtet.
  3. Die Schmelzreifung nach dem Zahndurchtritt
    Nach dem Zahndurchbruch kann Fluorid nur noch äußerlich aufgenommen werden. Lokales und systemisches Fluorid aus dem Speichel schützt den Zahnschmelz und als einzige Substanz kann es auch oberflächliche Verletzungen durch Säuren und kariesbildende Bakterien reparieren.

Fazit: Fluorid – Ja oder Nein?

Aus Sicht eines Zahnmediziners beziehungsweise der Zahnmedizin im Allgemeinen ist eine Fluoridierung der Zähne aufgrund veränderter Essgewohnheiten unerlässlich und dringend empfohlen. Vor allem beim Konsum industriell vorgefertigter Lebensmittel sowie sehr zucker- und säurehaltiger Lebensmittel und Getränke sollten Sie auf eine ausreichende Versorgung achten.
Ihr Dr. Roberto Lhotka