Mikroplastik in Kosmetik und wie es sich vermeiden lässt

Jährlich werden in der Kosmetikindustrie rund 129 Milliarden Verpackungseinheiten produziert (1). Dabei ist aber nicht nur die sichtbare Verpackung des Produktes ein Problem für unsere Umwelt. Besonders das unsichtbare Mikroplastik, das in den Produkten steckt, belastet unsere Umwelt zunehmend und hat bereits den Weg in unsere Nahrungskette gefunden. Durch bewussten Konsum und einfache Maßnahmen können wir unseren Beitrag leisten und Mikrokunststoffe reduzieren. - Gastbeitrag von Natascha Glanzer-Fürst

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Was ist Mikroplastik oder Mikrokunststoff?

Als Mikroplastik oder Mikrokunststoff werden Plastikteilchen bezeichnet, deren Größe oder Durchmesser weniger als 5 mm beträgt. Oft sind die Partikel so klein, dass sie mit freiem Auge nicht erkennbar sind. Die kleinen Plastikpartikel werden in der Kosmetikindustrie häufig kombiniert, um unterschiedlichste Funktionen zu erfüllen. Zum Beispiel dienen sie als Schleifmittel, Weichmacher, Bindemittel, Stabilisator, Feuchthaltemittel, Füllstoff oder Conditioner.

Primäres Mikroplastik – „umweltschädlich ab Werk“

Primäres Mikroplastik wird bereits gebrauchsfertig in kleiner Größe hergestellt und hat die Funktion, als kleiner Partikel eingesetzt zu werden. Es wird entweder zu größeren Plastikgegenständen zusammengeschmolzen oder kommt als sogenannte Microbeads (winzige Plastikperlen aus Polyethylen, die in Peeling, Zahnpasta und Duschgel als Schleifmittel verwendet werden) zum Einsatz (2).

Nicht nur in sogenannten „Rinse-off“ Produkten wie Shampoos, Peelings, Duschgels oder Zahnpasten versteckt sich primäres Mikroplastik, sondern auch in jenen Produkten, die vorerst auf der Haut bleiben, den sogenannten „Leave-on“ Produkten wie Cremes, Make-up oder Lippenstiften. Jedoch werden auch diese Produkte zu einem späteren Zeitpunkt unweigerlich abgewaschen.

Sekundäres Mikroplastik – „umweltschädlich durch Gebrauch“

Sekundäres Mikroplastik entsteht durch die Abnutzung größerer Kunststoffgegenstände während des Gebrauchs (z. B. Mikrofasern, die sich durch das Waschen aus der Kleidung lösen). Auch größere Plastikteile, die sich mit der Zeit in kleinere Teile zersetzen (Plastikverpackungen, die im Meer treiben) werden als sekundäres Mikroplastik bezeichnet (2).

Wie gelangt Mikroplastik in das Meer und in die Umwelt?

Tag für Tag werden weltweit große Mengen an Körperpflege- und Kosmetikprodukten in die Abflüsse gespült. In Ländern mit modernen Kläranlagen sollten diese Partikel in teilweise sogar vierstufigen Verfahren aus dem Abwasser gefiltert werden. Theoretisch – denn laut einer Studie des Alfred-Wegener-Institutes können diese Partikel nicht vollständig aus dem Wasser entfernt werden – sie sind schlichtweg zu klein.
Deshalb ist davon auszugehen, dass selbst bei den modernsten Anlagen, Plastik in die Umwelt freigesetzt wird. Jenes Plastik, das in der Kläranlage tatsächlich aus dem Abwasser gefiltert werden konnte, setzt sich im Klärschlamm ab. Dieser wird auf Deponien entsorgt, verbrannt oder in der Landwirtschaft zur Düngung der Felder eingesetzt. Von dort aus gelangen die kleinen Partikel samt anderer, im Schlamm abgelagerter Chemikalien, wieder in die Umwelt und so in unsere Nahrungskette. Zusätzlich darf nicht vergessen werden, dass es Länder gibt, die nicht über moderne Abwasserbehandlungsanlagen verfügen. In diesen Ländern werden die Kosmetikartikel gängiger Marken jedoch auch verwendet und täglich in den Abfluss gespült oder im schlimmsten Fall sogar direkt in den lokalen Gewässern abgewaschen.
Rund 8,3 Milliarden Tonnen an Plastik, die bis zum heutigen Tage produziert wurden, befinden sich noch immer auf unserem Planeten (3). In Mülldeponien, in der Luft, auf unseren Feldern oder im Meer…

So lässt sich Mikroplastik vermeiden

Weniger ist mehr

Ganz nach dem Motto: „Refuse, reduce, reuse and recycle!“ kann jeder einzelne einen Beitrag leisten. Wir müssen anfangen, unser Konsumverhalten selbstkritisch zu hinterfragen. Was brauchen wir für unsere tägliche Hygiene wirklich? Seife, Zahnbürste, Zahnpasta, Rasierer, Öl und eine Creme? Zu jedem der genannten Produkte gibt es „Zero-Waste“ oder zumindest plastikfreie Alternativen. Wir sollten darauf achten, ob wir etwas kaufen, weil das Design besonders ansprechend ist oder weil wir es wirklich brauchen. Wenn gekauft wird, sollten wir tunlichst versuchen, unverpackte Produkte zu kaufen, um den Abfall zu reduzieren, wo er sich reduzieren lässt. Wenn es um die Inhaltsstoffe geht, so kann die App Codecheck sehr hilfreich sein.

Zahnpasta, Seife, Shampoos und Peelings ohne Mikroplastik

Bei hochwertigen Produkten, wie z. B. der Tooth Paste von Dr. Lhotka, wird in den meisten Fällen besonderer Wert auf die Inhaltsstoffe gelegt und Mikroplastik aus der Tube verbannt. Es gibt Unternehmen, wie z.B. Lush oder FIN i grana, die seit Jahren auf feste Haarseifen setzen. Lush hat auch vier feste Conditioner im Angebot. Diese sind unverpackt und enthalten kein Mikroplastik. Peelings sind sehr einfach selbst herzustellen. Ecofairy hat 3 einfache Rezepte auf ihrem Blog online gestellt. Wattepads gibt es aus Baumwolle, die einfach zu waschen sind und so jahrelang verwendet werden können.

Mit jedem Produkt, das wir nicht kaufen, treffen wir eine Wahl zu Gunsten der Umwelt.

Bewusst (nicht) kaufen

Wir treffen mit jedem Kauf eine Wahl. Die getroffene Wahl ist ein klares Statement, wie wir zu unserer Umwelt stehen. Es ist wichtig, dass wir – selbst wenn wir keine perfekten Auswahlmöglichkeiten haben – jene Wahl treffen, die weniger schädlich für unsere Umwelt ist. Solange die Politik nicht aktiv primäres Mikroplastik in der Kosmetik verbietet, ist es unsere Aufgabe mit unserem Kaufverhalten, den Unternehmen klar zu zeigen, dass uns unsere Umwelt wichtig ist und dass wir den Kreislauf eines Plastikproduktes verstanden haben. Dieser fängt nämlich mit unserem Konsum an und hört mit unserer Nahrungsaufnahme auf.

Ihre Natascha Glanzer-Fürst | www.nataschaglanzerfuerst.com

Quellen: (1) Zero Waste Week, (2) Greenpeace, 2017, (3) University of Georgia